Vergleich von Kompressoren in Kaltwassersätzen: Technische Auswahlkriterien und Anwendungsbereiche

Betrachtete Kompressortypen
Für den Einsatz in integrierten Kaltwassererzeugern (Kaltwassersätzen) bzw. Kälteanlagen haben sich folgende Kompressortypen als die am häufigsten verwendeten etabliert:
Hinweis: Auf den Fotos sind sowohl Kältemaschinen mit luftgekühltem als auch mit wassergekühltem Verflüssiger dargestellt, damit nicht der Eindruck entsteht, dass ein Kaltwassersatz nur eine „Box mit Ventilatoren“ ist.
Kolbenkompressoren
(Abb. 1, 2) – einfache Bauweise, hohe Wartungsfreundlichkeit, geeignet für einen breiten Temperaturbereich. Bestimmte Wartungsarbeiten können durch eigenes Personal durchgeführt werden. Hauptnachteile sind ein erhöhter Geräuschpegel und Vibrationen.

Abb. 1 – Kaltwassersatz mit Kolbenkompressoren und luftgekühltem Verflüssiger

Abb. 2 – Kälteanlage mit Kolbenkompressoren und wassergekühltem Verflüssiger
Schraubenkompressoren
(Abb. 3, 4) – bieten hohe Leistung, ruhigen Betrieb und hohe Energieeffizienz, insbesondere in mittelgroßen und großen Kältemaschinen. Im Vergleich zu Kolbenkompressoren sind Schraubenkompressoren kompakter und leiser, allerdings komplexer im Aufbau und wartungsintensiver.

Abb. 3 – Kaltwassererzeuger mit Schraubenkompressor und luftgekühltem Verflüssiger

Abb. 4 – Kälteanlage mit Schraubenkompressoren und wassergekühltem Verflüssiger
Scrollkompressoren
(Abb. 5, 6) – zeichnen sich durch geringe Geräuschemissionen, hohe Effizienz und kompakte Bauform aus. Sie sind eine gute Wahl für kleinere und mittlere Klimaanlagen und Kühlaggregate. Ihre Zuverlässigkeit bei niedrigen Temperaturen und unter hoher Belastung ist jedoch begrenzt, ebenso wie ihre Reparaturfähigkeit.

Abb. 5 – Kältemaschine mit Scrollkompressoren und luftgekühltem Verflüssiger

Abb. 6 – Kaltwassersatz mit Scrollkompressoren und wassergekühltem Verflüssiger
Auswahl nach Betriebsbedingungen
Beginnen wir mit den grundlegenden technischen Parametern. Zunächst definieren wir den Betriebsmodus, insbesondere die erforderlichen Kondensations- und Verdampfungstemperaturen.
Ein typisches Beispiel: die Kühlung von Wasser als Kälteträger – Vorlauf bei +6 °C, Rücklauf bei +12 °C. Die Verdampfungstemperatur hängt vom Typ des Verdampfers ab und liegt in der Regel 1–8 °C unterhalb der Vorlauftemperatur des Kälteträgers:
- Platten- und Rohr-Plattenwärmetauscher: 1–3 °C niedriger
- Rohrbündelwärmetauscher: 5–8 °C niedriger
Für Kaltwassersätze (Kaltwassererzeuger) mit luftgekühltem Verflüssiger kann man bei Außentemperaturen bis 35 °C eine Auslegungstemperatur der Kondensation von 45 °C annehmen. Bei wassergekühlten Kältemaschinen beträgt die typische Kondensationstemperatur 35 °C.
Anhand der Tabelle 1 wählen wir die geeignete Kompressorbauart für den vorgesehenen Betriebsbereich. In unserem Beispiel mit einem Verdampfungs-/Kondensationsbereich von +2 °C/+45 °C wären alle drei Kompressortypen (Kolben, Schraube, Scroll) grundsätzlich geeignet.
Um sicherzugehen, sollte jedoch die konkrete Eignung des jeweiligen Kompressormodells anhand der vom Hersteller bereitgestellten Dokumentation überprüft werden.
Ein wichtiger Hinweis: Wenn Wasser als Kälteträger verwendet wird, empfiehlt es sich, die Verdampfungstemperatur auf mindestens +1 bis +2 °C anzuheben, um das Risiko eines Einfrierens des Verdampfers zu vermeiden.
Tabelle 1. Empfohlene Kompressortypen in Abhängigkeit vom Betriebsbereich
| Verdampfungstemperatur (°C) | Kondensationstemperatur (°C) | Scrollkompressor | Kolbenkompressor | Schraubenkompressor |
| 35 | 2 | ✔️ | ✔️ | ✔️ |
| –3 | ✔️ | ✔️ | ✔️ (eingeschränkt) | |
| –8 | ✔️ | ✔️ | ❌ | |
| –13 | ✔️ | ✔️ | ❌ | |
| 40 | 2 | ✔️ | ✔️ | ✔️ |
| –3 | ✔️ | ✔️ | ✔️ (eingeschränkt) | |
| –8 | ✔️ | ✔️ | ❌ | |
| –13 | ✔️ | ✔️ | ❌ | |
| 45 | 2 | ✔️ | ✔️ | ✔️ |
| –3 | ✔️ | ✔️ | ✔️ (eingeschränkt) | |
| –8 | ✔️ | ✔️ | ❌ | |
| –13 | ✔️ | ✔️ | ❌ | |
| 50 | 2 | ✔️ (eingeschränkt) | ✔️ | ✔️ (eingeschränkt) |
| –3 | ✔️ (eingeschränkt) | ✔️ | ❌ | |
| –8 | ✔️ (eingeschränkt) | ✔️ | ❌ | |
| –13 | ✔️ (eingeschränkt) | ✔️ | ❌ |
Auswahl nach Kälteleistung
Die Wahl des Kompressortyps basierend auf der Kälteleistung hat empfehlenden Charakter und beruht größtenteils auf gesundem Menschenverstand. Warum sollte man 20 Scrollkompressoren einsetzen, wenn auch zwei Schraubenkompressoren ausreichen?
In diesem Zusammenhang sollte auch die Notwendigkeit einer Redundanz der Kälteleistung berücksichtigt werden. Wenn 100 % der Kälteleistung Ihres Kaltwassersatzes durch einen einzigen Verdichter bereitgestellt werden, bedeutet dessen Ausfall den vollständigen Verlust der Kühlung. Je nach Kritikalität des Prozesses ist es sinnvoll, die Last auf 2–3 Kompressoren aufzuteilen – unabhängig vom Typ.
In besonders sensiblen Anwendungsbereichen, in denen der potenzielle Produktionsverlust ein Vielfaches der Investitionskosten betragen kann, empfiehlt sich eine Redundanz von 100 % + 50 % oder sogar 100 % + 100 %.
Tabelle 2. Empfohlener Kompressortyp in Abhängigkeit von der erforderlichen Kälteleistung
| Kälteleistung | Empfohlener Kompressortyp | Hinweise |
| 1 – 50 kW | Scroll-, Kolbenkompressor | Scrollkompressoren sind optimal bei niedriger Leistung und geringem Geräuschpegel. Kolbenverdichter sind universell einsetzbar. |
| 50 – 100 kW | Scroll-, Kolbenkompressor | Scrollkompressoren bleiben effizient, Kolbenverdichter sind robuster bei anspruchsvollen Bedingungen. |
| 100 – 200 kW | Scroll-, Kolben-, Schraubenkompressor | Scrollverdichter können je nach Betriebsmodus noch geeignet sein. Kolben bis 200 kW zuverlässig. Schraubenverdichter werden bei höheren Leistungen wirtschaftlicher. |
| 200 – 300 kW | Schrauben-, Kolbenkompressor | Schraubenkompressoren bevorzugt wegen höherer Energieeffizienz und stufenloser Leistungsregelung. |
| 300 – 500 kW | Schraubenkompressor | Schraubenverdichter bieten in diesem Bereich hohe Leistung und Betriebssicherheit. |
| > 500 kW | Schraubenkompressor | Schraubenverdichter sind die einzige effektive Lösung für große Kälteleistungen. |
Auswahl basierend auf betrieblichen Eigenschaften
Wir gehen nun zur Analyse der betrieblichen Besonderheiten verschiedener Verdichtertypen über. In den vorherigen Abschnitten konnten Sie feststellen, dass sich die Einsatzbereiche aller drei Verdichtertypen überschneiden. Daher vergleichen wir – bei sonst gleichen Bedingungen (Betriebsmodus, Einsatzumgebung, hydraulisches Schema) – die Eigenschaften und den Aufwand für den Betrieb und die Wartung.
Die folgenden Angaben sind Durchschnittswerte und dienen einer ganzheitlichen Einschätzung der Verdichter im realen Betrieb.
Tabelle 3. Durchschnittliche betriebliche Eigenschaften von Verdichtern
| Parameter | Kolbenverdichter | Schraubenverdichter | Scrollverdichter |
| Wartungsintervalle | Alle 5.000 Betriebsstunden – Ölwechsel
Alle 3.000 / 9.000 / 18.000 h – Kontrolle und Austausch von Kolbenringen, Ventilen, Lagern |
Alle 5.000 Betriebsstunden – Ölwechsel
Alle 5.000 / 10.000 / 18.000 h – Kontrolle von Dichtungen, Spaltmaßen, Lagern Alle 50.000 h – Austausch der Lager |
Keine Wartung vorgesehen, meistens vollständiger Austausch des Verdichters |
| Typische Ersatzteile | Kolbenringe, Ventile, Kolben, Öl, Filter | Lager, Dichtungen, Wellendichtungen, Öl | Austausch des gesamten Verdichters |
| Häufige Ausfallursachen | Verschleiß der Ringe, Lagerschalen, Ventile; Ölverlust; verstopfter Ölfilter | Lager- und Wellendichtungsausfall; Ölfilterverstopfung; Dichtungsverluste | Verschleiß der Spiralen |
| Reparaturdauer (bei Verfügbarkeit von Ersatzteilen) | 2–3 Tage | 5–7 Tage | 1–3 Tage (Kompressoraustausch) |
| Reparatureigenschaften | Hohe Reparaturfreundlichkeit, gute Ersatzteilverfügbarkeit | Komplexe Reparatur, Fachservice erforderlich | Austausch des gesamten Verdichters |
| Lebensdauer | ca. 15 Jahre | 15–20 Jahre | 5–7 Jahre |
| Kosten für geplante Wartung (% vom Preis des Verdichters) | 5-10% | 7-12% | — |
| Kosten für Generalüberholung (% vom Preis des Verdichters) | 30-50% | 40-60% | 70-100% (Austausch) |
Auswahl basierend auf den Gesamtbetriebskosten
Bei der Bewertung der Effizienz von Verdichtern ist ein entscheidender Faktor die Total Cost of Ownership (TCO) – also die Gesamtkosten über den Lebenszyklus. Diese beinhalten Anschaffungskosten, Wartung, Reparaturen und Energieverbrauch. Die in Tabelle 4 aufgeführten Werte sind durchschnittliche Schätzungen und können je nach Modell und Betriebsbedingungen variieren.
Tabelle 4. Wirtschaftliche Kennzahlen von Verdichtern
| Parameter | Kolbenverdichter | Schraubenverdichter | Scrollverdichter |
| Relative Kosten je 1 kW Kälteleistung | 100 % (Basiswert) | ~150–200 % | ~80–120 % |
| Wartungskosten über 10 Jahre (% vom Kompressorkaufpreis) | ~170% | ~120% | ~200% |
| Relativer Energieverbrauch | 100 % (Basiswert) | ~90…95% | ~90…95% |
| Gesamtkosten über 10 Jahre (Kauf + Wartung + Energie) | ~3500% | ~3200% | ~3600% |
Entscheidungsszenarien
Für die praktische Anwendung der oben dargestellten Daten zeigen wir mehrere typische Szenarien für die Auswahl von Verdichtern — je nach geschäftlichem Ziel und Betriebsumgebung. Bei Bedarf helfen unsere Fachingenieure gerne mit einer individuellen technischen Lösung für Ihre Kälteanlage.
Szenario 1: Minimale Investitionen bei kurzfristiger Amortisation
- Ziel: Produktionsstart mit begrenztem Budget für die Kälteanlage
- Technische Anforderungen: Leistung bis 100 kW, Standard-Temperaturbereich (Verdampfung +1…+5 °C, Kondensation bis 45 °C), intermittierender Betrieb
- Empfohlene Lösung: Scrollverdichter, da sie die niedrigsten Investitionskosten je kW Kälteleistung bieten, im Vergleich zu Kolben- und Schraubenverdichtern. Austausch nach 4–5 Jahren einplanen.
- Einschränkungen: Einsatz begrenzt auf Verdampfungstemperaturen nicht unter –3 °C; keine Möglichkeit zur Generalüberholung.
Szenario 2: Kontinuierliche Produktion mit hohen Anforderungen an Zuverlässigkeit
- Ziel: Rund-um-die-Uhr-Betrieb der Anlage ohne Ausfallzeiten
- Technische Anforderungen: Leistung über 200 kW, variable Lasten, breites Spektrum an Kondensationstemperaturen, Anforderungen an Energieeffizienz
- Empfohlene Lösung: Schraubenverdichter mit stufenloser Leistungsregelung von 30–100 %. Der Energieverbrauch liegt etwa 10 % unter dem von Kolbenverdichtern. Wartungszyklen von 10.000–20.000 h sorgen für hohe Prozessstabilität.
- Technische Begründung: Schraubenverdichter arbeiten ohne Ventile, wodurch eine der häufigsten Fehlerquellen bei Kolbenkompressoren entfällt. Die Ölgekühlte Verdichterbaugruppe senkt die Druckgastemperatur und verlängert die Lebensdauer.
Szenario 3: Universallösung mit Fokus auf Wartungsfreundlichkeit
- Ziel: Eigenständiger Betrieb ohne externe Servicepartner
- Technische Anforderungen: Leistung 50–200 kW, Vorhandensein von qualifiziertem Technikpersonal, Standard-Temperaturbetrieb
- Empfohlene Lösung: Kolbenverdichter mit der Möglichkeit zum stufenweisen Austausch verschlissener Bauteile (Ventilplatten, Kolbenringe, Lager).
- Vorteile: Gute Ersatzteilverfügbarkeit, einfache Diagnostik über Druck- und Temperaturmessung, Reparatur durch eigenes Personal möglich.
Fazit
Die Auswahl des geeigneten Verdichtertyps erfolgt anhand einer Prioritätenmatrix:
- Scrollverdichter – minimale Investitionen + Leistung bis 100 kW
- Schraubenverdichter – Energieeffizienz + Leistung über 200 kW + Dauerbetrieb
- Kolbenverdichter – Wartungsfreundlichkeit + Temperaturflexibilität + eigenes Instandhaltungspersonal
Die endgültige Entscheidung sollte auf einer technischen und wirtschaftlichen Analyse basieren – unter Berücksichtigung der Lebenszykluskosten des Systems.
Die Auswahl des Verdichters muss sich an den betrieblichen Anforderungen, dem verfügbaren Budget, den Zuverlässigkeitsanforderungen sowie den Einsatzbedingungen orientieren.
Dieser Artikel bietet Ihnen einen praktischen Leitfaden zur Orientierung und hilft Ihnen dabei, den optimalen Verdichtertyp für Ihre konkrete Anwendung zu bestimmen.
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Autor des Artikels:
Andrij Kochan, Kältetechnik-Ingenieur
15.07.2025

